Das Sauparna, ein wēdisches Mysterium

1.

  1. Wer Söhne, Vieh, Reichtum, den Himmel, Alter und Nichtblindheit begehrt, der möge die elf reinen, auf den Suparna bezüglichen Lieder studieren.
  2. Ich verneige mich beständig vor dem nicht alternden Sohne der Winatā, welcher goldene Federn und ungemessenen Glanz besitzt, dem Unermeßlichen, aus Metren bestehenden, dessen Körper aus verschiedenen Opfern besteht, dem Vortrefflichen, und dessen beide Schwingen Brihat und Rathawat sind.
  3. Der Garutmant, dessen Glut gewaltig ist, der infolge der Hälfte der Kasteiungen jener Rischi geboren wurde, welche als Wālakhilja bekannt sind, der eine Teilinkarnation des höchsten Herrn ist, der möge uns beständig schützen, der Vogelkönig.
  4. Der Segen, den vor alters Winatā dem Suparna zuteil werden ließ, als dieser des Amrita wegen ausgeflogen war, dieser Segen möge mir werden.
  5. Die Erzählung von Suparna besteht aus Liedern in 31 Abschnitten. Der Rischi der ihn verfaßt hat, heißt Wāmadēwa. Garuda, Indra, Tārkschja, Winatā, Kadrū, die Schlangen, die Götter sind die Gottheiten. Das Metrum ist Trischtubh. Die Verwendung findet statt am Knotentag, beim Studium und bei der Besprechung des Brāhmana.

2.

  1. Erzählung: Himmel und Erde sind Schwestern; in körperlicher Gestalt aber bewegen sie sich in den Welten. So war denn einst der Himmel Winatā, das Adlerweib; die Erde aber war eine Schlange namens Kadrū.
  2. Bei einer großen Sōmafeier der Götter ließen sich die beiden einen Verstoß zuschulden kommen. Dafür wurden sie durch die Götter von Gebeten und Opferspenden ausgeschlossen und angstgequält flüchteten sie zu dem Rischi Tārkschja, als sie gesehen hatten, daß Kadrūs eines Auge durch die Opfer zerstört worden war.
  3. Die beiden Rischi Griha und Ānana, welche, um den Stiel eines Palāschablattes als Feuerholz zu holen, eine Pfütze durchwaten wollten, welche durch den Eindruck eines Kuhfußes gebildet war, versanken dabei im Schlamm.
  4. Als Indra die beiden Wālakhilja-Rischi in der Kuhfußspur im Schlamm stecken sah, mußte er lachen. Da packte die beiden der Zorn, und sie begaben sich gleichfalls zum Rischi Tārkschja:
  5. „Wir wollen dir die Hälfte unserer Kasteiung überlassen, wenn du dafür einen eigeborenen Sohn erzeugen willst, der des selbstgefälligen Indra Hochmut zuschanden macht.“
  6. Der hochberühmte Tārkschja trank die Hälfte der Kasteiung der beiden Wālakhilja und legte dann in Winatā einen unübertrefflichen Keim für Eigeborene.

3.

  1. Nachdem Schaunaki den frefflichen heiligen Keim empfangen hatte und schwanger geworden, legte sie, da ihre Zeit erfüllet war, an einem reinen Orte dreimal ein Ei.
  2. Da indessen die Schönhüftige in heftigem Verlangen die Zeit nicht erwarten konnte, so machte sie ein Löchlein in das zuerst gelegte Ei. Durch den Spalt fuhr die Freundin der Wolke, der Blitz, zum Äther empor.
  3. Da schämte sie sich über die Maßen, sie sann und sann und öffnete schließlich das mittelste Ei. Aus ihm ward Aruna, der Freund der Sonne, geboren.
  4. Kaum war er geboren, so fluchte er seiner askesereichen Mutter: „Was hast du da Übles getan, du deren religöses Verdienst so groß ist! Ich bin noch fußlos, Ungestüme!“
  5. Als er geboren war, kam der Sonnengott herbei und sprach das Wort: „Gib ihn mir, o Göttin! Dein Sohn vermag meiner Rosse Ungestüm zu zügeln; du aber magst wieder fröhlich sein!“

4.

  1. Kaum war Garuda geboren, so erbebten alle drei Welten; die ganze Erde erbebte samt Gebirgen, Wäldern und Hainen.
  2. Vom Himmel verschwanden Sonne und Mond; keine Gestirne leuchteten mehr. Die Götter zitterten vor Entsetzen; kein Lufthauch wagte sich zu regen.
  3. Kein Weib empfing mehr eine Frucht; die Meere trockneten aus. Die Kühe gaben keine Milch mehr und liefen angstgepeinigt auseinander.
  4. Die Brahmanen vergaßen den Wēda; allerorten wimmelte es von Schlangen. In der Erkenntnis, daß Garuda allgegenwärtig war, stellten sich alle in seinen Schutz.
  5. Da kehrten alle Schlangen unverzüglich in ihre Wohnungen zurück. Diejenigen Wesen, welche bei Garutmants Geburt zugrunde gegangen waren, wurden durch den Selbsterschaffenen neu geschaffen.
  6. [Für die unter dem Sternbild Maghā Geborenen, für die, deren Leiber alle Wēden sind, für die, welche 1000 Jahre lang Embryonen waren, tritt Stillung des Feuers ein.]

5.

  1. Den Starken, den Helden, den Unwiderstehlichem Widerstehenden will ich preisen, Garuda, den Sohn der Winatā, der seine von Kadrū besiegte und zur Sklavin gemachte Mutter loskaufte.
  2. Darum will ich seine Tat verkünden, die tat des gesegneten Sohnes Winatās, seinen über die Erde verbreiteten hohen Ruhm, den er sich durch den Sōmaraub errang.
  3. [Kadrū und das Adlerweib wetteten, indem sie sich selbst zum Preise setzten. Kadrū besiegte das Adlerweib. Dieses sprach:]
  4. Winatā: Die andern haben wirklich recht, wenn sie sagen, daß das Schlangengezücht immer boshaft ist, da es nur des Zankes wegen, ohne meinen Sohn zu kennen, das Einäugige, grausame, schneidende Wort über ihn redet!
  5. Kadrū: Sieh nach dem anderen Ufer, Winatā, du Adlerweib! Du hast ja, wie man mir erzählte, Adleraugen. Dort hat ein weißes Roß sich an einem Baumstumpf gerieben. Von ihm weht sein schwarzer Schweif schräg hinab.

6.

  1. Winatā: Bist du bei Sinnen oder redest du im Wahnsinn? Ich sehe keinen Schweif; was siehst du nur? Ob das Roß weiß ist oder ob es schwarz ist; was, womit oder wie willst du das denn erkennen?
  2. Die Unwahrheit, wahrlich, redest du, Kadrū, du Einäugige, deren Auge zerstört ist! Soviel ich sehe, ist das Roß ganz weiß, hat aber überhaupt keinen Schweif!
  3. Kadrū: Wenn ich mit einem Auge so weit sehe, wie du mit beiden, Adlerweib Winatā, Arunas Mutter, so will ich deine Sklavin sein; anderenfalls sollst du die meine sein!
  4. Winatā: Ich will hier deine Sklavin sein, Mutter der Schlangen, wenn das, was du gesagt hast, nicht falsch ist.
  5. Kadrū: Du, Aditi, wirst mir in der Tat noch heute Sklavendienste tun. Wohlan, wir wollen gehen, die Wahrheit festzustellen!
  6. Winatā: Laß uns einen Boten aussenden zu Mātarischwan; laß ihn uns bitten, daß er uns sage, wie es sich verhält. Oder wir wollen lieber beide selbst gehen, o Kadrū. Ich trage dich an den Ort, da jenes Roß weidet.

7.

  1. Kadrū: Da hängt der Schweif an dem Baumstumpf. Siehst du ihn hängen? Ich habe dich besiegt: das Meer ist mein Zeuge! Bis zur Erschöpfung sollst du meine Sklavin sein!
  2. Wir haben gehört, daß im Meere eine liebliche ewige Insel liegt, früher der Aufenthalt der Schlangen; dorthin trage uns, o Winatā!
  3. Winatā zu Garuda: Du vergießest tränen? Was ist das, Garutmant? Du bist des Tārkschja Sohn, Arischtanēmi! Nicht solcher Männer Kinder, o Vogel, o König der Doppeltgeborenen, quält der Kummer; so wahrlich habe ich vernommen.
  4. Garuda: Zu quälen wagen dich, Winatā, Arunas Mutter, die Unverschämten! Wer sich in seiner Jugend keinen Lehrer verschafft hat, dem bleibt nichts übrig, als so mit Tränen im Auge herumzufliegen.
  5. Winatā: Ich trage, ich trage diese herum; ich muß Schlangen tragen, als hätte ich ein Unrecht begangen. Nach des Meeres Inseln trage ich Unselige die Kadrū, nebst ihren Söhnen, die Flut berührend.

8.

  1. Die Schlangen: Du hast ja einen jugendlichen Sohn, Adlerweib, dessen Schwingen im Flug an den Himmel rühren. Den sende, den Mächtigen, für dich! Er komme, uns alle an den Ort zu tragen, da sich die Sonne befindet!
  2. Garuda: Ich bin der Adler, ihr Schlangen! Aruna hat mich gesandt. Was Schungî mir befiehlt, das will ich tun. Steigt auf und quälet meinen Leib! Ich will im Nu euch nach der Sonne tragen. [Garuda trägt die Schlangen zur Sonne empor.]
  3. Die Schlangen: Allenthalben, o Adler treffen uns die stechenden Strahlen der Sonne und brennen uns auf unsere Hauben. Verneigung vor dem Vogel! Laß es gut sein! Kehre um! Wo unsre Mutter Aditi ist, dahin begib dich!
  4. Wir begehren nicht mehr, nach dem Sitz der Sonne zu gelangen; versengt sind unsre Leiber durch der Sonne Flammen. Entweder wir verlassen dich und stürzen hinab auf die Erde, oder du, Vogel, gibst unserm Drängen nach und kehrst zurück. [Garuda trägt die Schlangen zu Kadrū zurück.]
  5. Kadrū: Das war nicht recht, o Adlerweib, daß er meine Söhne durch den Raum dahintrug, die zappelnden, wo es ihnen an Halt gebrach, eilig der Sonne entgegen, so daß sie gebrannt wurden!

9.

  1. Winatā: Da sind die Haubenschlangen, zwar von der Sonnenglut versengt, doch wieder auf der Erde, Aruna! Ich weiß nicht, wie ich Kadrūs Söhne töten soll. Auch Tārkschja ist nicht hier, der mich sicher zu schützen wüßte.
  2. Kadrū: Das war eine grausame Tat, o Adler, daß du Surasās Söhne mit Gewalt dahintrugst! Betrübt klagt Kadrū, deren Söhne versengt sind. Halte dich immer niedrig in der Nähe deiner Herren. [Zum Regengott Pardschanja betend:]
  3. Erdröhne, donnere, geh hinauf zu den Behältern der Gewässer; Gebirgen sollen deine Wässer gleichen! Die Wolke raube der Gebirge Gipfel! Die Schlangen sollen in des Wassers Mitte gehen!
  4. Alles sein eine einzige Flut! Uferlos sei das Ufer! Das Froschweib schreie die ganze Nacht. Sie sollen melken die Kuh, deren Fußspur Milch ist. Dem Barmherzigen gefalle es, aufs Festland zu kommen!
  5. Garuda: Den Himmelswelten folge ich mit dem Auge, Mutter, mit Fraft, mit Stärke und mit Macht. Wie konnte ich zum Sklaven werden? Hast den du etwas Böses getan, oder ist mein Vater einen bösen Wandel gewandelt?

10.

  1. Winatā: Ich wettete mit jener Kadrū und hoffte, sie zur Sklavin zu gewinnen, nicht ahnend die Gefahr infolge meines Zorns. Da überwand sie mich im Streit.
  2. Garuda: Wie kannst du aus der Sklaverei erlöst werden, durch mich, den Sklaven, oder durch die Erde? Sag mir’s, o Schungā! Denn ich bin sehr traurig; vielleicht durch Speise, oder auch durch Schätze?
  3. Geh, frag die Schlangen, ob durch irgend etwas Befreiung möglich ist, durch mich, durch Aruna, durch Vieh, durch Schätze?
  4. Winatā [zu den Schlangen]: Nicht Söhne kenne ich, noch einen Gatten; euch trangend ward ich dürr und kam von Kräften. Des Körpers Grundstoffe sind hin. Ich bin nicht schnell mehr. Wie kann ich Alte völlig frei der Knechtschaft werden?

11.

  1. Die Schlangen: Indras Sōma ist in einem Versteck geborgen, auf der dritten Höhe, in der Unendlichkeit des Raumes. Wenn du ihn holst mit heilsamster Gewalt, so kauf dich los damit und geh in Frieden!
  2. Winatā [zu Garuda]: Die Schlangen wünschen den Sōma zu trinken; wir sollen ihn vom Himmel holen. Doch schwer ist der Mond vom Himmel zu holen, o Garutmant; und nur er ist das Lösegeld.
  3. Garuda: Ich gehorche dir, Adlerweib Winatā, wenn du keinen Brahmanen getötet hast, o Mutter! Ich will fliegen nach dem Gegenstand deines Begehrens, um von des fernen Himmels Höhe den Sōma zu holen.
  4. Winatā: Keinen Brahmanen habe ich getötet, Garutmant; auch störte ich kein zweites Mal die Opferfeier. Keinen Schuldlosen belade ich mit Schuld und nehme nicht die Schuld von Schuldbeladnen.
  5. Garuda [zu den Schlangen]: Was soll ich holen, was erobern, welche Heldentat vollbringen, damit ich eurer Knechtschaft ledig sei? Sagt mir’s, ihr Lecker!
  6. Die Schlangen: Wir hören, daß ein treffliches, gewaltiges Gefäß mit Sōma hoch im höchsten Himmel verborgen steht, von Indra wohl verwahrt. Das bring’ uns her, damit wir es erhalten und Amrita genießen. Befrei’ dich dadurch aus der Knechtschaft, wenn du die Kraft hast!

12.

  1. Garuda: Wie sollt’ ich euch nicht Indras Sōma bringen, den Mond, der im Versteck verborgen, aus der dritten Höhe der Unendlichkeit des Raums, nachdem die Wächter ich erschlagen oder sie mit Macht verscheucht?
  2. Winatā [zu Garuda]: Alle Götter im Himmel bewachen den Sōma, und andere mächtige Wesen, lieber Sohn! Erkunde erst, ob du dazu imstande! Dein Leben gilt mir mehr, als meine Freiheit.
  3. Garuda: Wir sind die Metren, Adlerweib Winatā, die das, weitschicht’ge Opfer zu den Göttern tragen und es schon oft getan bei früh’ren Opferfesten. Tu mir den Schimpf nicht Mutter, an und glaub’, daß ich erliege!
  4. Die Metren, welche vier und mehr Silben haben und das weitverzweigte, aus sieben Abschnitten bestehende Opfer tragen, die Metren bin ich, Adlerweib Winatā. Die Götter sandten mich bereits zum Sōma.
  5. Doch wer nicht ißt, in dem steckt keine Stärke, wenn er sich in der Welt bewegt, o Adlerweib! Drum frag’ ich dich, Winatā, dies: „Was soll ich essen, um nach der Götter Welt emporzufliegen?“

13.

  1. Winatā: Dort ist ein großer Berg, auf seinem Gipfel ein großer See, darin ein großes Wesen. Den Elefanten, der in ihn hinabsteigt, sollst du ergreifen:er sei deine Speise. Sieh da die beiden, Garuda!
  2. Der mächt’ge Elefant, genannt „der Brüller”, gefleckt, mit mächt’gen Zähnen, einer Wolke gleicht er! Ihn schenk’ nebst seiner Freundschaft dir der Schöpfer. Wenn beide du verzehrt, magst du zu der Welt der Götter fliegen!
  3. Garuda: Adlerweib Winatā, wir sind ein Vogel. Uns freut nicht, was wir auf dem Boden fressen. Nenn’ irgendeinen Baum uns, weißt du einen, auf dem wir sitzend dieses Mahl mit Lust verzehren!
  4. Winatā: Wo dort die Wālakhilja-Rischi wohnen und die Waikhānasa-Asketen, Adler, flieg’ auf den Baum, um dort dein Mahl zu halten, da seine Äste meilenweit sich strecken! eil’ nur zu Rauhina, dem besten Baume mit mächt’gen Ästen, deines Vaters Freude. Auf diesen setz’ dich, Adler, um zu essen. Vielleicht nimmt er dich auf; kein anderer könnt’ es.

14.

  1. [Garuda: Ich habe diese beiden,weiße Lotusflecken, wie sie sonst auf einer Elefantenkuh sind, habenden Elefanten, die an den Schläfen gespaltenen beiden mächtigen Begleiter des Elefanten, da mit großer Freude ergriffen. Ich fliege diesen Weg, da ich dorthin ziehen will.]
  2. Der Baum Rauhina: Einen gewaltig starken Elefanten so groß wie der Mēru samt einem Ungetüm im Luftraum tragend, mit seiner Eile mächt’gen Sturm erregend, kommt zu mir her der Adler, mich erschütternd.
  3. Halt! Schon’ den Rauhina, daß durch Ermüdung mich eine Ohnmacht nicht etwa befalle! Gatuda: Mit den Metren vermischt, mit den Gottheiten werde mit Gewalt ich dich besteigen, ich, Garutmant!
  4. Rauhina: Hier ist die östliche Seite, Garuda! Setz’ dich auf diese, scheust du dich vor Sünde! Denn auf der nördlichen, auf der die Waikhānasa-Rischi und die Wālakhilja sich befinden, neigt sich mein Ast nach unten.
  5. Du brachst den Ast entzwei, wirst dich versünd’gen, wirst die Brahmanen töten, die darunter sitzen. Den unendlichen Raum, das Dunkel und den Dunstkreis wirst du vernichten und wirst den Sōma dann nicht holen können, o Garutmant!

15.

  1. Mit der Linken trägt er den Ast, mit der Rechten die beiden anderen! Siehe des Adlers Gewalt, die nicht in Worte zu fassen ist!
  2. Winatā [des noch nicht sichtbaren Garuda Stimme vernehmend]: Wer läßt im Luftraum seine Stimme hören, die heilverkündende? Der eine meiner Söhne schläft; der zweite kommt heran!
  3. Garuda: Ich, o Indra, bin für dich das Jahr, bin von meiner Mutter hier auf diese Höhe gesandt, und da bin ich! Indra: Wirf mit dem Fuß den Ast nur in die Tiefe und ziehe deine Schwingen ein!
  4. Garuda [zu Winatā]: Ein aus hundert Fellen bestehender … Lederriemen vermöchte den Ast des Rauhina nicht zu umspannen, Mütterchen, den ich getragen habe, und ich bin erschöpft.
  5. Nicht dadurch habe ich hinreichend gegessen, Schungā, daß ich in dem Abgrund(?) den Elefanten samt dem Ungetüm verzehrt habe. Weis’ mir noch eine andre mächt’ge Nahrung, damit gesättigt ich im Nu zum Himmel fliege!

16.

  1. Winatā: Was sich bewegt, verzehrt das Unbewegliche; das ist ein ewig eingehaltner Brauch. Die Vögel aber essen beides, was unbeweglich und was sich bewegt.
  2. Das Reich der Nischāda ist volkreich und ununterbrochen Verzehr’ das Volk, o Held, um meinen Wunsch zu erfüllen. Die Leute kennen weder Opferruf noch Opfer. Sie sind eine heilsame Nahrung, Garutmant; so haben wir vernommen.
  3. Sollte aber ein Brahmane unter ihnen sein, der eine Gemeinde sucht, so sollst du ihn nicht verletzen. Denn er ist ein Gott und geht ganz im Mitleid auf, mein Held! Er wäre dein Tod, der einzige, der dir drohte.
  4. Garuda: Wie ich bemerke, haben sie alle einen Kopf, zwei Füße und zwei Hände. Drum frag’ ich dieses dich, o Winatā: wie ist wohl ein Brahmane gestaltet?
  5. Winatā: Mit Staub bedeckt, bezopft, mit Lehm zwischen den Zähnen, den Haarstrang hinaufgekämmt, redet er nur die Wahrheit. Mitten unter seinen Feinden fürchtet er sich nicht vor dem Tode: das ist der Brahmane, den töte nicht, Garutmant!

17.

  1. Der Mann, welchen sechs Feuer durchglühen, das Feuer in der Zunge, im Herzen, im Bauch und im Samen, die heiße Sonnenglut und der kalte Frost: der ist ein Brahmane, den töte nicht, Garutmant!
  2. Wie ein Fisch, der den Köder verschlungen hat, bekommt man einen schweren Bauch durch einen verschlungenen Brah manen. Wie Kohle brennend geht er in den hals ein; der ist ein Brahmane, den töte nicht, Garutmant!
  3. Garuda: Ich werde dir den Sōma holen; ich kenne jetzt die ewige Speise. Von jetzt an immer werd’ ich beides essen, was unbeweglich ist und was sich regt.
  4. Ein Brahmane unter den Nischāda: Der Vogel König, seiner Feinde Sieger, dem Himmelsaar, der alt an Jahren ist, dem Adlerhelden, der auf mich sein Antlitz richtet, des Tārkschja Sohn, der Schungā Sohn, nah’ ich mich mit Verehrung!
  5. Empor zum Luftraum und nach allen Seiten bewegt er sich, und Erd’ und Himmel dröhnen von seiner Stimme. Ich glaub’ es ist ein Sohn der Schungā, ein lieber Sohn, Garuda oder Aruna: er wird mir jetzt zum Untergang!

18.

  1. Erzählung: Darauf kam der Adler hungrig heran und verzehrte nach seiner Mutter Weisung die Nischāda. Die Fittiche anziehend, steckte er die, welche er verfolgte und erreichen konnte, in seinen Schnabel.
  2. Wieder und wieder auffliegend und die Nischāda verzehrend ward der Vogel plötzlich von einem, der ihm in den Hals gekommen war, wie von einem Feuerhaufen gebrannt.
  3. Gepeinigt, obwohl kein Rauch noch Feuer zu bemerken war, gedachte er an Schungās Worte: „Wie gewaltig sind doch die Brahmanen, die einzig leben von ihrer Geburt!“
  4. Garuda: Komm’ heraus aus uns, Bester der Doppeltgeborenen! Du sollst mir nicht zur Nahrung dienen! Nur die anderen habe ich als Speise bekommen; du aber wolle dich nicht härmen!
  5. Der Brahmane: Ich kann mich selbst nicht für lebendig halten, muß meine Frau und Söhne ich entbehren! Doch ist ein Doppeltgeborener mit seiner Nischādafrau und seinen Söhnen Gift in deinem Munde.
  6. Erzählung: Darauf ließ der Vogel den Doppeltgeborenen nebst den Seinen heraus und erfüllte so die erhaltene Anweisung. Nur die anderen verzehrte er. Und sicherlich war das der Grund, daß ihm der Sōmaraub gelang.

19.

  1. Garuda: Ich, der Adler, Beste der Fliegenden, geh’ in der Mutter Auftrag als Sōmaräuber. In Knechtschaft schmachtet Arunas Mutter. Darum schlage mich nicht mit Unheil, Fürst der Doppeltgeborenen!
  2. Der Brahmane: Ich segne dich mit Lebenskraft und Alter. Ist alles wohl in Eurem Haus, mein Lieber? Grämt sich Garutmatī, Arunas Mutter, auch nicht im Herzen, daß sie einst gewettet?
  3. Garuda: Wohl glaubt’ ich, alles sei im Hause wohl: da ließ das Adlerweib mich wissen, daß Knechtschaft sie bedrücke. Ich scheide jetzt von dir, der Beste aller, die da fliegen, schwing’ mich zum dritten Himmel auf, dem Mond entgegen.
  4. Der Brahmane: Das Opfer schütze dich, sowie die Opferlöhne! Das beste Sōmagefäß sei vor dir, wenn du fliegst. Die Strophen des Rig-Wēda und des Jadschus Sprüche und alle Tage und Nächte sollen sich dir auf deinem Flug gesellen!
  5. Den Heilbringenden, den Sohn des Tārkschja, Arischtanēmi das große Wesen, den Vogel der Gottheiten, den Asuratöter, den Freund Indras, den großen Ruhm in den Schlachten, den wollen wir besteigen wie ein Schiff!
  6. Zu dem Nothelfer aus dem Geschlecht des Angiras, dem Gaja, Swastjarēja und dem Tārkschja flüchte ich mich im Geiste mit ausgestreckter Hand: Heil und Befreiung aus Gefahr in allen Nöten!

20.

  1. Bhauwana, der Sōmawächter [zum Götterpriester Brihaspati]: Gibt’s wohl hier irgend etwas schon Enstand’nes, Brihaspati, oder etwas, was noch entstehen wird, das die mir anvertraute Wache überschreitend durch seine Stärke plötzlich den Sōma von hier entführen könnte?
  2. Winatā, den Garuda preisend: Sechzigtausend Wagenlasten herab vom Luftkreis, neunundneunzig Hunderte von der Wēdi wirst du herbeiholen, der Garuda, Winatās Sohn; halte aus, indem du den verwahrten Sōma holen willst!
  3. Bhauwana: Woher stammt der, aus welcher Welt, von welcher Erde, der mit Bhauwana zu kämpfen begehrt, dem unübertrefflichen Bogenschützen?
  4. Brihaspati: Das Adlerweib namens Winatā hat sich schwer kasteit. Von ihr ward Garuda geboren, Winatās Sohn, der Vogel, der den Sōma rauben wird, das wisse!

21.

  1. Indra: Bin ich den Indra, oder ist es Winatās Sohn? Welcher von uns beiden hat denn den Wēda studiert, die Herrschaft über die Welten begehrend, daß er den Mond, den abgesonderten, verwahrten, den leuchtenden, den Sōma mir rauben könnte mit Gewalt?
  2. Brihaspati: Dir, o Indra, gehört, was geboren ist und noch geboren werden, dir, o Indra, was entstanden ist und noch entstehen wird, dir die Hauptund Nebenhimmelsgegenden und alle Richtungen nach oben, du Starker! Durch deinen Wunsch und auf deinen Befehl wird alles gesprochen.
  3. Winatā [zu Aruna]: Ein mächtiges Dröhnen läßt sich oben hören. Warum, mein Sohn, eilst du dem Bruder nicht zu Hilfe? Nur einer ist der Aar, und viel die Götter. Allein kann Schakra ihn wohl nicht bezwingen.
  4. Da Aruna sein Bruder ist, ist ohne Bruder Garuda und ohne Sohn das Adlerweib, Schungā, Winatā. Aruna: Aruna, Mutter, geht gewißlich nicht! Geh selbst zum dritten Himmel, dir den Sōma holen!

22.

  1. Winatā [zu Aruna]: Der fußlose Bhauwana stiftet gewiß nichts Gutes; er tötet seine Feinde und ist sicherlich nicht sorglos. Blind ist er wohl, doch wachsam und nicht sorglos. Wie wird sich Garuda, der Adler, retten?
  2. Aruna [zu Winatā]: Wie die Macht, wie die Stärke, wie der Nebel, wie die Kraft, wie die Wolke, wie die Angst, so ist diese gewaltige Kraft unwiderstehlich. Auf Garuda paßt kein Vergleich, o Schungā. [Garuda raubt den Sōma.]
  3. Sōma: Der Sturmgott schütze seine Lebensgeister, die Marut seine Fittiche, sein Haupt Agni, der Wesenkenner. Ich bin vor ihm und hinter ihm; ich, der Mond, erfreue mich auf Garudas Rücken!
  4. Indra: Wie kommt es, daß sich ein Gedröhne vernehmen läßt da, wo der Sōma steht? Laß gehen uns, Brihaspati, es zu erkunden! Schwirrt doch die Bogensehne nur, wenn ab sie schnellte, und laut brüllt auch der taube Sōmahüter!
  5. Brihaspati: Ich kenne dieses Dröhnen, Schätzespender! Vom Adler kommt es, der da fliegt, o Gatte Schatschīs! Winatās Sohn schlug deine Sōmawächter nieder; Garutmant hat den Sōma dir geraubt!

23.

  1. Indra: Der fußberaubte Bhauwana mit dem schnellenden Bogen, wo war er, dessen Pfeilspitze selbst Agni durchdringt, durch dessen Arme der gewaltige Pfeil mit Macht preiswürdiger Myriaden dreißig, sechzig gar durchfliegt?
  2. Brihaspati: Den Fußlosen schreckend, eilte der Heldenaar mit dem schnellenden Bogen. Als er dahinflog, flog der Pfeil nicht schneller, als er. Zum Sōma eilte er, als dieser am höchsten Himmel strahlte.
  3. Indra: Wo waren Arbuda, Nahuscha, Kādrawēja, wo Ulūka, Balbūla, Schwasana? Wo war Sapannimischa, Pralischa, als mein Sōma raubte Winatās Sohn?
  4. Wo war Kakubbhanda, Tschakratunda, wo war Aschwamukha, Kundakarna? Wo war Kakubbhanda, Tschakratunda, wo war Aschwamukha, Kundakarna? Wo war Wikrōschana, Kharakantha, als mein Soma raubte Winatās Sohn?
  5. Kaschambuka, Weenuka, Aschwakranda, Alagarda, Paruscha - wo war er? Wo waren Nabhōrūpa und Sarūpa, als meinen Sōma raubte Winatās Sohn?
  6. Schaschākscha, der sich am Ufer befand, Martta, der durch seinen Zorn die Menschen ausrottet, Wjādājaswāpin, Wibhida, wo war er, als meinen Sōma raubte Winatās Sohn?

24.

  1. Brihaspati: Als die Schlangen des Vogels Nahen infolge Garudas gewalt’ger Glut bemerkten, Schakra, da fürchteten sie sich vor der Berührung mit dem Vogelkönig und bargen sogar ihre Köpfe unter ihren Leibern.
  2. Indra: Die beiden Blitze Abhaja und Bhaja, die allenthalben gehn, indem sie töten, mir die Nahrung schützend, schliefen sie denn und hatten sie im Mund die Augen, als sie Ausschau hielten? Wie kam der Geier über sie denn weg?
  3. Brihaspati: Die beiden Blitze Abhaja und Bhaja, die allenthalben gehn, indem sie töten, dir die Nahrung schützend: nach diesen beiden schätzte Garuda, Winatās Sohn, den Raum. Als sie sich voneinander entfernt hatten, da flog er auf sie zu, auf Abhaja und Bhaja.

25.

  1. Indra: Und meine Mājā, schneller als das Augenblinzeln, das Wunschlicht, die nicht umkehrt vor dem Feinde, scharf wie Messersschneide, wo war sie denn, Brahmane, als meinen Mond mir raubte Winatās Sohn?
  2. Brihaspati: Deine Mājā, die schneller ist als Augenblinzeln, das Wunschlicht, die nicht umkehrt vor dem Feind, ließ Garuda, sein eigener Begleiter, der schneller als die Schnelligkeit, weit hinter sich mit Macht.
  3. Indra: Mein Diskus, schneller als das Augenblinzeln, das Wunschlicht, der nicht umkehrt vor dem Feinde, scharf wie Messersschneide, wo war er denn, Brahmane, als meinen Mond mir raubte Winatās Sohn?
  4. Brihaspati: Deinen Diskus, schneller als das Augenblinzeln, das Wunschlicht, der nicht umkehrt vor dem Feind, ließ Garuda, sein eigener Begleiter, der schneller als die Schnelligkeit, weit hinter sich mit Macht.
  5. Indra: Die Felsenkugeln, scharf wie Messersschneide, die abgrundtiefen Mōdā, die Teiche, die Flüsse, leuchtend wie die Sonne und strahlend wie der Mond, vielfältig und vielgestaltig: wie kam der Geier nur über sie hinweg?
  6. Brihaspati: An den Hälsen zerschnitten, an den Köpfen gespalten, zerhauen taten sie das und jenes, Schakra; der fußlose Bhauwana lag dort, zu Boden geschlagen. Ein groß Gemetzel hat der Adler angerichtet.

26.

  1. Indra: Die Āditja und Rudra, die Wasu und die Sādhja, die vielfältig dort gelagert waren, den Sōma zu bewachen, und die Marut, Brahmane, wo waren diese, als meinen Mond mir raubte Winatās Sohn?
  2. Brihaspati: Nach dem Osten flohen die Wasu bei Garudas Anblick, nach dem Norden alle Marut und Sādhja, nach dem Süden die Rudra mir dem Heere der Gandharwa, nach dem Westen jagte die Āditja Winatās Sohn.
  3. Indra: Wo war der Feuergott, der Wesenkenner, der meines Mondes waltet, ihn umfassend? Über die Flamme, über den Lohenden, über ihn, dessen Glut unzerstörbar ist, wie der Geier sogar hinweg über ihn?
  4. Brihaspati: Ströme von Schmelzbutter brachte Winatās Sohn, Mengen über Mengen, zehntausend mal sechzig. Mit diesen sättigte er deinen Wesenkenner; dann flog der goldene Vogel über ihn hinweg.
  5. Nachdem er den Feuergott mit Schmelzbutter gesättigt und alle anderen Sōmawächter besiegt hatte, flog davon, wie eine mächtige Wolke die Vertiefung ebnend, Garuda, Winatās Sohn.

27.

  1. Als einzelner hat der Furchtbarstarke viele bestanden. Selbst dir, o Schakra, ist er gleich an Gewalt.
    Indra: Weil sich der Vogel an meinem Wächtern vergriffen hat, will zornig ich auf ihn meinen Donnerkeil schleudern.
    [Er tut es. Der Donnerkeil prallt an Garuda ab.]
  2. Dieser, mein Donnerkeil, der aus Askese besteht, der scharf ist wie des Messers Schneide und gewaltig, mit dem ich Writras Herz zerschnitt, ist an dem Vogel abgeprallt. Brihaspati, was für ein Wesen ist denn dieser Adler?
  3. Brihaspati: Dieser Adler vereinigt in sich alle Metren, Schakra, besteht aus Jadschus-Sprüchen, und die Melodien bilden seinen Leib. Der Sōma, den Tārkschjas Sohn getrunken, hat ihn erst recht gestärkt; darum prallte an ihm dein Donnerkeil ab.
  4. Indra zu Garuda: Dies ist der Donnerkeil, der die Feinde der Götter getötet hat von Writra an bis auf den heutigen Tag. Er flog zurück: das ist nicht gut für die Götter! Erbiete Ehre, Garutmant, dem Donnerkeil!
  5. Garuda: Aus meinem Schenkel laß ich eine Feder fahren, Untadeliger! Die schneide ab mit deinem Donnerkeil, und ernte dafür den Preis! Dir liegt ja nur der Götter Heil am Herzen. Nicht mit Gewalt, mit Güte will ich handeln, Schakra!
  6. Dem Rischi will ich Ehre gern erbieten, aus des Gebein der Donnerkeil entanden. Dem Donnerkeil auch will ich sie erbieten, und dir, Schatakratu!
    [Indra schleudert nochmals den Donnerkeil.]

28.

  1. Indra: Die Feder hat den Donnerkeil zerschnitten in drei Teile. Aus ihrem obern Teile sind die Pfauen entstanden; aus ihrer Mitte die zweiköpfige Reihe der Schlangenfürsten, aus ihrer Wurzel der Ichneumon, der Feind der Schlangen.
  2. Ich frage, Vogel dich: Wie groß ist deine Macht? Und welcher Teil von dir ist zu bezwingen, Vogelkönig? Nenne mir deine Stärke, die Unwiderstehlichem widersteht, und ewige Freundschaft soll uns beide binden!
  3. Garuda: Acht Erden, neun Himmelsgegenden, drei Ozeane, Gatte Schatschīs, und mehr als tausend Gebirge könnt’ ich tragen, wenn ich wollte.
  4. Indra: Wenn du den Schlangen diesen Sōma bietest und sie ihn trinken, Luftdurchwandler, so werden sie die Menschen alle vernichten; das wird nicht gut sein!
  5. Garuda: Den Schlangen werf’ ich nicht den Sōma vor, o Feindepeiniger! Ich raubt’ ihn nur, um sie ihn sehen zu lassen, Schakra! Du brauchst mir nicht zu zürnen, lieber Freund!
    [Garuda trägt den Sōma zu den Schlagen und zeigt ihn denselben.]

29.

  1. Garuda: Da ist der Sōma, den ich hergracht. Seht ihn euch an, ihr Erdensöhne, hier! Jetzt bin ich frei, und Aruna ist frei, und frei ist Schungā, Winatā das Adlerweib!
  2. Da ist der Sōma, Kadrūs Söhne, den ich von des Himmels dritter Höhe, von dem grenzenlosen Raum geholt, der Mond. Ich rat’ es euch:seht ihn euch alle an, denn euch verläßt der König!
  3. Ich raube euch den Sōma wieder, und wenn ihr alle auch mir nachlauft! Wer ein Held ist unter euchm der setze mir nach! Zeigt euch als Helden, ihr Bauchkriecher!
    [Garuda trägt den Sōma zu Indra zurück.]
  4. Garuda: Hier hast du deinen Sōma wieder, den Mond, den ich dir erst entführt, o Indra! Jetzt bin ich frei, und Aruna ist frei; befreit ist Schungā Winatā aus der Gefangenschaft!
  5. Indra: Nachdem ich Pipru einst, Namutschi, Schambara erschlug und Wipratschitti besiegt und vor allem Writra vernichtet, legte ich mir Himmel und Erde um, wie einen Anzug.
  6. Durch meine Stärke überwand ich alle Nebenbuhler; durch meine Stärke bin ich dieses All geworden. Wie war es möglich nur, daß du aus eigener Kraft dem Mächt’gen mir, dem Übermächtigen gewaltsam meinen Sōma hast geraubt?

30.

  1. Garuda: Die Mutter mein, das Adlerweib Winatā, geriet durch Sklaverei in Not infolge einer Wette, Indra! Dein Sōma war für sie das Lösegeld. Den hab’ ich, unversehrt von andern die zurückgebracht.
  2. Dein ist der Aar, du Gabenreicher, dein der Mond. Du bist, der war, der ist und sein wird, Schakra! Du bist der Schirmherr, du die Zuflucht, die Gewässer. Dein ist das Weltall; segensreich beherrsche du die Welt!
  3. Indra: Nachdem die Nahrung ich zurückerhalten, begrüß’ ich, Indra, jetzt den Heldenaar, Arunas jüngeren Bruder. Ich will dir eine Gnadengabe spenden, lieber Freund, wie sie dein Herz beliebig sich erwählt.
  4. Du bist mein Freundgeworden; darum wähle beides, eine Speise und Unsterblichkeit in der Rede. Sprich aus, Sohn Tārkschjas, was dein Herz begehrt! Wähl’ eine Gnadengabe dir, Winatās Sohn!
  5. Garuda: Zur Speise wähl’ ich mir die Schlangen, Schatschiis Gatte! Laß mich das Opfer zu den Göttern tragen, und laß mich eingehn in die Wēden! Es sollen die Brahmanen mich studieren, die nach dem Himmel trachten, und im dritten Himmel sollen sie mit dir und mir den Aufenthalt dann teilen.
  6. Indra: Die Schlangen seinen deine Speise, Fürst der Luftdurchwandler! Trag’ uns das Opfer zu, geh ind die Wēden ein, du Held! Und die Brahmanen sollen dich studieren, wenn sie den Himmel zu gewinen trachten, und werden dann mit uns den Aufenthalt im dritten Himmel teilen.
  7. Erzählung: Entsetzt richteten sich die Schlangen empor, als sie den Aar am dritten Himmel schweben sahen. Der starke Vogel zehrte sie, nahm dadurch zu an Stärke und nahm an Stärke stetig zu bis auf den heutigen Tag.

31.

  1. Den mächt’gen Vogel, Garuda, der sich in glückverheißendem Augenblick auf einem Schalmalibaum auf mächtigem Gebirge sein Nest gebaut, den Sohn der Winatā, der Vögel König: ihn ruf’ ich an mit Macht, damit er seine Hilfe mit gewähre.
  2. Ich hab’ im Trischtubh-Metrum ihn gepriesen, wie den Feuergott der Hōtrin preist. Er spricht aus meinem Munde. Gib Heil und Segen uns und Glück, Sohn Winatās, und tilge die Sünde aus und unsre Widersacher!
  3. Wenn ich den Aar gepriesen oder auch ein Bittgebet an ihn gerichtet habe, im Herzen an ihn glaubend, so möge er sich unser erbarmen, möge uns langes Leben schenken und uns Augenkraft verleihen auf lange Zeit!
  4. Wer die Dichtung vom Aar beständig studiert an jedem Knotentag, dem wird ein heldenhafter Sohn geboren werden, ein kluger, ausgezeichnet durch die Kenntnis wēdischer Wissenschaft.
  5. Wer die Dichtung vom Aar beständig studiert an jedem Knotentag, der wird aufsteigen in den unendlichen Himmel und mit mir dieselbe Welt bewohnen.
  6. Wer hier die Dichtung vom Adler aus der Astikadichtung demütig geneigt anhört, der wird von allem Unheil befreit werden und von allen Feinden wird er erlöst.
  7. Hört eine Schwangere diese Geschichte an jedem Knotenpunkt, so wird sie ein männliches Kind gebären, ein kräftiges, das seine Feinde peinigt.
  8. Die Dichtung vom Adler ist das Auge der nicht murrenden Hörer, und in die Himmelswelten werden sie eingehen, wenn sie uns beide immer preisen.
  9. Verneigung dem Paare Indra und Adler, Verneigung dem Paare Indra und Adler! In gedankenschnellen Fluge überflog der Aar die eherne Burg; nachdem er in den Himmel gelangt war, brachte er dem donnerkeilbewehrten Indra den Sōma.
1. März 2017 14:31:17
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